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Im Kino: Geliebtes Leben

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Chanda (Khomotso Manyaka, rechts) und ihre beste Freundin Esther (Keaobaka Makanyane). Bild: Senator

16. Mai 2011

Die 12-jährige Chanda wohnt in Elandsdoorn, einer friedlichen Kleinstadt in der südafrikanischen Provinz. Die Bewohner sind stolz auf ihre Gemeinschaft. Sie halten zusammen und helfen einander — solange niemand gegen die Regeln verstößt.

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An dem Morgen, an dem ihre kleine Schwester gestorben ist, kommt Chanda zu spät zur Schule. Bild: Senator

Chanda ist gut in der Schule und möchte Lehrerin werden. Oder Ärztin. Aber ihre Kindheit endet, als plötzlich ihre einjährige Schwester stirbt. Ihre Mutter ist in Trauer erstarrt und ihr Stiefvater ist auch keine Hilfe: Er ist oft betrunken und meistens nicht zu Hause. Eines Tages verschwindet er sogar ganz. Deswegen muss Chanda viele Erwachsenen-Aufgaben übernehmen, denn sie hat noch zwei kleinere Geschwister. Als ihre Mutter schwer krank wird und in ihr Heimatdorf reist, muss sie sich ganz allein um die beiden kümmern.

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Die Nachbarin Mrs. Tafa (Harriet Manamela) passt auf Chandas kleinere Geschwister auf, während sie in der Schule ist. Bild: Senator
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Mrs. Tafa (Harriet Manamela), die Nachbarin, Chandas Mutter Lilian (Lerato Mvelase) und Chanda gehen jeden Sonntag in den Gottesdienst. Bild: Senator

Sie kommt aber nicht wieder und Chanda kann sie auch nicht telefonisch erreichen. In Südafrika haben viele Menschen kein eigenes Telefon. Auch Telefonzellen gibt es meist nicht. Chanda telefoniert deswegen bei der Nachbarin Mrs. Tafa und ruft einen Ladenbesitzer in dem Heimatdorf ihrer Mutter an. Aber immer heißt es, Chandas Mutter wäre gerade nicht da. Chanda hat das Gefühl, dass die Erwachsenen ihr etwas verschweigen.

Worüber keiner spricht...

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Als bekannt wird, dass Chandas Mutter Aids hat, sehen die anderen Menschen in der Stadt sie sehr argwöhnisch an. Bild: Senator
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Seit ihre Mutter weg ist, muss sich Chanda um tausend Dinge kümmern. Und abends noch für die Schule lernen. Irgendwann wird ihr alles zu viel. Bild: Senator

Sie ahnt längst, was ihre Mutter hat und woran ihre kleine Schwester gestorben ist: Aids. Aber Aids ist ein großes Tabu. Aids zu haben bedeutet eine große Schande und viele Menschen meinen, dass man selber Schuld hat, wenn man Aids bekommt. Deswegen lassen sich viele Menschen nicht untersuchen und werden darum auch nicht richtig behandelt. Aids kann man nicht heilen, aber mit den richtigen Medikamenten kann man noch viele Jahre weiter leben. Doch die meisten Menschen schämen sich und gehen deshalb nicht ins Krankenhaus.

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Beim Filmdreh: Der Regisseur Oliver Schmitz erklärt Khomotso die nächste Szene. Gedreht wurde in Sepedi, einer der elf Amtssprachen in Südafrika. Elf Millionen Menschen sprechen diese Sprache. Englisch, die am weitesten verbreitete Sprache in Südafrika, lernen die meisten Kinder erst in der Schule. In Deutschland wird der Film aber Deutsch synchronisiert gezeigt. Bild: Senator

In Wahrheit ist Chandas Mutter weggefahren, damit es ihren Kindern besser geht als Chandas bester Freundin Esther: Esthers Eltern sind beide an Aids gestorben, deswegen reden jetzt alle Leute in Elandsdoorn schlecht von ihr. Esthers kleinere Geschwister wurden von einer Tante aufgenommen, aber Esther muss für ihren Lebensunterhalt selber aufkommen und in einem Bretterverschlag wohnen.

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Bei der Premiere in Berlin: Regisseur Oliver Schmitz, Hauptdarstellerin Khomotso Manyaka und Produzent Oliver Stoltz. Khomotso ist mittlerweile 14 Jahre alt. »Geliebtes Leben« ist ihr erster Film, aber weil sie so gut gespielt hat, bekam sie schon Angebote für weitere Filme. Bild: Senator

Chanda beschließt, dass mit den Lügen der Erwachsenen Schluss sein muss. Aids ist eine Krankheit und kranken Menschen muss man helfen! Ganz besonders, wenn es um die eigene Mutter geht...

Ausgezeichnet

»Geliebtes Leben« ist ein aufwühlendes Drama für Menschen ab 12. Es wird gezeigt, wie wichtig Freundschaft ist und dass man auch zusammen halten muss, wenn Andere schlimme Dinge über die Freundin erzählen. Und dass es manchmal wichtig ist, die Tabus der Erwachsenen zu hinterfragen und eine eigene Meinung zu entwickeln statt immer nur zu tun, was "man" tun soll.

Der Film wurde in Südafrika als bester Film ausgezeichnet und für den Oscar nominiert. Die Hauptdarstellerin Khomotso Manyaka wurde sogar "beste Schauspielerin Südafrikas", obwohl sie damals erst 12 Jahre alt war. »Geliebtes Leben« hat auch auf vielen Filmfestivals weltweit Preise gewonnen.

Obwohl der Film bewegend und mitreißend ist, wird er vermutlich nicht sehr lange im Kino gezeigt werden. Filme aus Hollywood haben meistens mehr Geld für Werbung und deswegen wollen viele Leute diese Filme sehen. Wenn dich der Film »Geliebtes Leben« interessiert, solltest du also möglichst bald ins Kino gehen. Am besten mit ein paar Freunden, damit man sich danach unterhalten kann.

Elandsdoorn gibt es wirklich...

Der Film wurde in der südafrikanischen Kleinstadt (dazu sagt man auch Township) Elandsdoorn gedreht und viele Bewohner sind als Nebendarsteller zu sehen. Eines unterscheidet dieses Township aber von anderen Kleinstädten in Südafrika: Dort gibt es eine große Klinik, das Ndlovu Medical Center, das von der Hugo Tempelman-Stiftung betrieben wird. Der Arzt Dr. Robert Moraba erzählt: "Es leben 20.000 Menschen in und um Elandsdoorn. Ungefähr 2.000 davon haben Aids. Und jeden Tag habe ich vor allem Männer hier, die mir erzählen, sie wären ja schon früher gekommen, wenn sie sich nicht so schämen würden."

In dieser Klinik werden auch Menschen behandelt, die arm sind und die Rechnung nicht bezahlen könnten. In Südafrika sind viele Menschen nämlich nicht krankenversichert. Außerdem erhalten die Patienten dort dieselben Medikamente wie in Europa. Für Aids werden ständig neue, bessere Medikamente entwickelt. Aber viele Menschen in Afrika bekommen nicht die neuesten Medikamente, weil die zu teuer sind.

Ein Film für die Kinder

In Südafrika gibt es ungefähr 500.000 Aids-Waisen. Das sind Kinder, deren Eltern an Aids gestorben sind und die völlig auf sich allein gestellt sind, ohne staatliche oder sonstige Unterstützung. Regisseur Oliver Schmitz, der in Südafrika aufgewachsen ist, sagt: "Die Kinder wachsen ohne Erziehung auf, ohne Hilfe sowieso. Die betroffenen Kinder bekommen kein Geld vom Staat, weil sie noch zu jung sind und keine Formulare unterschreiben dürfen. Das Ganze ist absurd!"

Diesen Kindern ist auch der Film gewidmet. Produzent Oliver Stoltz : "»Geliebtes Leben« erzählt von Kindern, die viel zu früh Verantwortung übernehmen müssen und daher nie eine normale Kindheit erleben dürfen." Außerdem interessierte ihn, "eine Geschichte über den Umgang mit ’offenen’ Geheimnissen zu erzählen. Geheimnisse hat letztlich jeder Mensch. Der eine trinkt, der andere betrügt und der nächste schämt sich arbeitslos zu sein. Es wird für sich behalten, aus Angst, von den Anderen zurückgewiesen zu werden. Die Angst zum Außenseiter zu werden, zwingt alle zum Schweigen oder sogar zum Lügen. Bei Chanda ist es Aids, weswegen Menschen stigmatisiert werden. Das passiert nicht nur in Afrika, sondern ebenso in Deutschland."

Zum Film »Geliebtes Leben« haben wir hier ein Gewinnspiel für euch. Viel Glück dabei!


Eure Meinung dazu:

von Matsch 31. Januar 2013

Hört sich traurig an

von monkey81 19. Mai 2011

ICH LIEBE AFRICA
Und er ist ssssssssssssssooooooooooooooooo COOL