Direct access to content Direct access to navigation
News4Kids - Nachrichten und Wissen für Kinder und Jugendliche
Suchen

Habemus papam - Wir haben einen neuen Papst

19. April 2005

Nach nur einem Tag der Papstwahl (Konklave) wurde von den 115 Kardinälen in der Sixtinischen Kapelle des Vatikan ein neuer Papst gefunden. Der deutsche Kardinal Joseph Ratzinger ist nun das Oberhaupt der katholischen Kirche.

Am Dienstag, 19. April 2005, wurde um 18.40 Uhr das Ergebnis der Papstwahl den wartenden Menschen auf dem Petersplatz mitgeteilt. Der neue Papst heißt jedoch nicht Joseph Ratzinger, sondern Papst Benedikt XVI.(16.) - so nennt er sich von nun an.

Joseph Ratzinger wurde bereits beim vierten Wahldurchgang gewählt. Damit war diese Wahl eine der kürzesten Papstwahlen in der Geschichte. 100 der 115 Kardinäle haben wahrscheinlich für den deutschen Kardinal gestimmt.

Wer ist Benedikt XVI. (Joseph Ratzinger) eigentlich?

Ratzinger wurde 1927 in Bayern geboren. Seine Kindheit war durch den 2. Weltkrieg stark geprägt. Nach dem Krieg studierte er Theologie und Philosophie, worauf er 1977 zum Erzbischof von München ernannt wurde. Seit 1981 war Ratzinger Kardinal und hielt sich im Vatikan auf. Hier nahm er bald eine Rolle als wichtigster Vertrauter des Papstes ein. Er leitete zum Beispiel auch die Papstwahl nach dessen Tod.

Die Wahl von Joseph Ratzinger wurde zwar von vielen Menschen erwartet, dennoch ist es aber auch eine kleine Überraschung. Er ist mit seinen 78 Jahren nämlich einer der ältesten Päpste, die jemals ernannt wurden. Außerdem ist er auch der erste deutsche Papst seit 480 Jahren. Damals war Adrian Florisz Boeyens, der sich Hadrian der VI.(6.) nannte, der Papst. Er wurde in Utrecht geboren, einer Stadt die heute in Holland liegt.

Ab jetzt bin ich ein Anderer

Der erste Papst der seinen Namen änderte war ein Adliger namens Octavian. Im Jahre 955 gab er sich den Namen Johannes XII. (der Zwölfte). Alle Päpste davor trugen ihren Geburtsnamen. Die häufigsten Papstnamen sind: Johannes, Gregor, Benedikt, Clemens, Leo, Innozenz, Pius, Bonifatius, Urban, Alexander, Paul, Nikolaus und Martin. Die meisten von ihnen hatten aber eigentlich einen ganz anderen Namen bevor sie Papst wurden.

Es ist ein Zeichen besonderer Würde, dass man sich als Papst einen neuen Namen zulegen darf. Mit diesem neuen Namen wird die Übernahme des Amtes als Papst symbolisiert. Das heißt soviel wie, ich bin jetzt nicht mehr der Mensch, der ich vorher war, sondern ein neuer Mensch und der wichtigste Mann der katholischen Kirche.

Benedikt XVI. hat den Namen eines Heiligen für sich gewählt, nämlich den von Benedikt von Nursia der in den Jahren 480 bis 547 in Italien lebte. Er soll zahlreiche Wunder bewirkt und ein besonders frommes Leben geführt haben. Sein strenges Motto war: "Bete und arbeite." Damals hat er das natürlich auf Lateinisch gesagt und da hört sich das so an: "Ora et labora".

Gemeinsam mit vielen Anhängern soll Benedikt von Nursia ein Kloster gegründet haben, in dem die Mönche nach seinen Regeln lebten. Dort war es üblich zwischen vier und acht Stunden täglich zu beten. Weitere sieben bis acht Stunden wurden geschlafen und die restliche Zeit diente der Arbeit und dem Lesen und Schreiben. Benedikt wird auch als Vater des Mönchstums angesehen. Die rund 11.000 Männer und 25.000 Frauen des deutschen Ordens ‚Benediktiner‘ möchten ihm heute noch nacheifern. Von allen Päpsten waren 50 aus dem Orden der Benediktiner.

Sicherlich dachte Benedikt XVI. bei der Wahl seines Namens auch an einen seiner Vorgänger: Benedikt XV. (den Fünfzehnten). Er war von 1914 bis 1922 Papst. Sein richtiger Name war Marquese Giacomo della Chiesa und er kam aus Italien. Er wurde auch als „Friedenspapst“ bezeichnet, weil er sich während des 1. Weltkrieges für den Frieden einsetzte.

Übrigens bedeutet der Name Benedikt "gepriesen" oder "gesegnet". Benedikt XVI. ist also der gepriesene, gesegnete Mann Gottes.

Was wird Benedikt XVI. weiter machen?

In seinen Überzeugungen ähnelt Papst Benedikt XVI. seinem Vorgänger Papst Johannes Paul II. Er ist ebenfalls gegen all zu starke Veränderungen in der katholischen Kirche. Er spricht sich ganz besonders dagegen aus, dass Priester heiraten können und auch gegen die Verwendung von Kondomen um die Verbreitung der Krankheit AIDS zu verhindern.

Die Meinungen zu Ratzingers Wahl sind sehr gemischt. Unser Bundespräsident Köhler und Bundeskanzler Schröder sehen die Papstwahl positiv, da es eine große Ehre für Deutschland sei, einen deutschen Papst zu haben.

Doch es gibt auch kritische Stimmen, die teilweise von Kirchenleuten, aber auch aus Nachbarländern kommen. So halten manche die Wahl eines Deutschen zum Papst aufgrund der deutschen Vergangenheit für falsch. Andere befürchten, dass Ratzinger zu sehr an manchen Vorstellungen der katholischen Kirche festhalten wird, also zu konservativ ist.

Der neue Papst sagte zu den Menschen auf dem Petersplatz: "Ich bin nur ein einfacher demütiger Arbeiter im Weinberg des Herrn und vertraue mich euren Gebeten an." Anschließend hat er allen Menschen seinen Segen erteilt.

Text: Carsten Werner, Johanna Klee, Alexa Wendt