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Im TV: Tortuga — Die unglaubliche Reise der Meeresschildkröte

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So wunderschön sieht eine erwachsene Unechte Karettschildkröte (Caretta caretta) aus. © Jim Abernethy

17. August 2015

Nach dem Schlüpfen reist sie um den halben Globus. Und erst nach 25 Jahren kehrt sie zurück, um neuen Schildkröten das Leben zu schenken.

Am 17.08.2015 um 20:15 Uhr und am 18.08.2015 um 13:20 Uhr auf 3sat.

Der Film erzählt von einer der außergewöhnlichsten Wanderungen in der Tierwelt. Geboren an einem Strand in Florida begibt sich eine kleine Meeresschildkröte auf eine gefährliche und aufregende Reise. Seit über 200 Millionen (!) Jahren ist es dieselbe Route. So macht auch sie sich auf und folgt dem Golfstrom Richtung Arktis. Sie durchschwimmt den gesamten Nordatlantik bis nach Afrika. Doch nur eine von 10.000 Meeresschildkröten überlebt die lange Reise und kann zurückkehren, um ihre Eier abzulegen.

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Krebse greifen die kleinen Karettschildkröten unmittelbar
nach dem Schlüpfen an. © Foto: Nick Stringer

Ein Leben beginnt

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Junge Karettschildkröten. © polyband

Irgendwo an einem Strand in Florida: Im Sand bewegt sich etwas, der Sand wird aufgeworfen und zum Vorschein kommen winzige Schlüpfinge der Unechten Karettschildkröte (Caretta caretta), nur wenige Zentimeter groß. Rund drei Tage (!) lang haben sie sich ans Licht gegraben. Jetzt beginnt ein gnadenloser Kampf ums Überleben. Mit aller Kraft paddelt die kleine Meeresschildkröte durch den Sand, um das rettende Wasser zu erreichen. 40 Meter nur, doch die sind gesäumt von hungrigen Krabben und Pelikanen, die Jagd auf die winzigen Meeresschildkröten machen. Nur die Hälfte aller Schlüpfinge überlebt die ersten Tage ihres Lebens. Die kleine Schildkröte erreicht im letzten Augenblick die Wellen.

Einige Tage und Nächte schwimmt der Winzling durch den riesigen Atlantik bis er den den Rand des Golfstroms erreicht. Die mächtige, warme Strömung fließt von der Karibik bis in den Nordatlantik und ist eine Hauptverkehrsader für die unterschiedlichsten Bewohner des Meeres. Nach über 70 Kilometern hat die kleine Meeresschildkröte endlich ihr erstes Ziel erreicht: Versteckt in einem Floß aus Seetang kann sie zum ersten Mal in ihrem Leben schlafen und auch Nahrung ist ausreichend vorhanden.

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Der Golfstrom ist das wichtigste Meeresströmungs-System auf der Nord-Halbkugel und fließt vom Golf von Mexiko — dort wird das Wasser stark erwärmt — bis nach Nordwesteuropa. Er ist eine der stärksten Meeresströmungen der Welt und versorgt Nordwesteuropa mit Wärme und milden Wintern.

Der Golfstrom — Wärmepumpe für Europa

Der Strom ist etwa 80 km breit und dient unzähligen Meeresbewohnern als Heimat. Viele von ihnen nutzen den Golfstrom als eine Art "Autobahn", um von einem Futterplatz zum nächsten zu gelangen. Die Strömung des Golfstroms nimmt unsere Schildkröte mit auf die Reise, zusammen mit anderen Meerestieren, die bis zum Sommer zu ihren Futterplätzen im Norden gelangen wollen. Dabei sind immer wieder Buckelwale, verschiedene Fischschwärme, Blauhaie, Seepferdchen und andere geheimnisvolle Lebewesen Begleiter auf Zeit. Doch am Rande des Golfstroms lauern gefährliche Strudel, die den Seetang, in dem die kleine Meeresschildkröte anfangs überlebt, in die Sargassosee abtreiben können.

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Viele Meerestiere wandern im Sommer in die Arktis zusammen mit den Schildkröten. Hier zu sehen: Eine Buckelwalkuh mit ihrem Kalb. © polyband

Die Sargassosee — Müllplatz im Meer

Die Sargassosee ist ein 3.000 Kilometer breites, fast strömungsloses Meeresgebiet. Dort warten weitere Gefahren auf die Meeresschildkröte: Containerschiffe kreuzen die Sargassosee. In dem stillen Gewässer gibt es außerdem lebensgefährlichen Plastikmüll, Ölflecken und "Portugiesische Galeeren", eine Quallenart mit giftigen Tentakeln — für Menschen extrem gefährlich —, gegen die die Schildkröte jedoch immun ist. Einige Jahre verbringt die Schildkröte in diesem Meeresgebiet, sie wird immer kräftiger, ihre Haut dicker und ihr Panzer sehr hart.

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Eine junge Schildkröte sucht Schutz in Sargassum-Algen. © polyband

Die gelbbraunen Sargassum-Algen, nach denen die Sargassosee benannt ist, sind Pflanzen, die in großen Mengen dort vorkommen. Sie sind wie schwimmende "Hotels" für viele Meeresbewohner, die sonst keine Überlebenschance hätten. Riesige Sargassoflöße sammeln sich im Ozean und dienen den kleinen Schildkröten als Kinderzimmer, bis sie groß genug sind, um für sich selbst zu sorgen.

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Weißspitzen-Hochseehai begleitet von Lotsenfischen. © polyband

Die Weltreise geht weiter

Nach etwa fünf Jahren ändert unsere Schildkröte ihren Kurs und schwimmt in wenigen Monaten zum Golfstrom zurück. So gelangt sie in die wilden Gewässer des Nordatlantiks und später zur Neufundlandbank. Sie "kennt" ihren Weg, obwohl sie noch niemals hier war, und verlässt den Golfstrom, um sich nun vom Kanarenstrom in den Süden tragen zu lassen. Die Gewässer der Azoren, rund 1.900 km westlich von Afrika, sind ein Ort mit wertvollen Nährstoffen und zudem die bedeutendste Kreuzung der Unterwasserwelt im Atlantik. Nach Jahren im offenen Ozean findet die jugendliche Schildkröte in den seichten Gewässern vor der Azorenküste einen sicheren Platz.

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Karettschildkröten bei der Paarung. © Foto: Nick Stringer

Doch die Schildkröte ist noch nicht am Ziel. Sie bricht erneut auf und erreicht nach einigen weiteren Monaten die Karibischen Inseln. Fünfzehn bis zwanzig Jahre wird sie dort verbringen, um schließlich einem neuen inneren Ruf zu folgen. Sie muss sich paaren und den ganzen Weg zu ihrem Heimatstrand zurückschwimmen, um dort ihre Eier abzulegen. Damit der ewige Kreislauf des Lebens fortgesetzt werden kann, nimmt sie die gefährliche Reise auf sich. Die Reise vom Schlüpfen bis zur Eiablage dauert also 20 bis 25 Jahre!

Unechte Karettschildkröten können bis zu 50 Jahre alt werden. Sie können dabei ein Gewicht bis zu 364 kg erreichen und 1,10 m lang werden.

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Kameramann Rory McGuinness (DOP) filmt unter Wasser. © polyband

Die Dreharbeiten

Regisseur Nick Stringer hat zusammen mit den beiden Kameramännern Rory McGuinness und Rick Rosenthal ein Jahr lang die Reise der Unechten Karettschildkröte verfolgt und beeindruckende Bilder eingefangen. Stringer: "Ich wollte schon immer etwas über den Ozean erzählen, denn er ist die Wiege des Lebens, die große Tiefe, in dem alles Leben der Erde begann. Der Ozean lässt den Menschen ganz demütig werden und spüren, dass diese riesigen Wassermassen alles kontrollieren und diesen Planeten am Leben erhalten."

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Weichkorallen sind Tierkolonien bestehend aus
Einzelpolypen. © Foto: Save Our Seas

Oft war es schwierig, die Schildkröten in der Weite des Ozeans zu finden. Aber zum Glück hatten sie Hilfe von Prof. Jeanette Wyneken, der weltweit führenden Schildkröten-Biologin. Sie meint: "Diese Tiere befinden sich in gewaltigen Schwierigkeiten und es ist jetzt dringend an der Zeit, ihre Geschichte zu erzählen, bevor es zu spät ist. Wir wissen über die Unechte Karettschildkröte mehr als über jede andere Meeresschildkrötenart und diese Reise ist ihre Geschichte. So erfahren wir auch viel über den Zustand der Weltmeere und verstehen, welche gravierenden Veränderungen im Ozean vor sich gehen, und was wir tun müssen, um ihn zu beschützen."

Grandiose Bilder, spannend, interessant — aber mit kitschigem Kommentar

Die Geschichte der Meeresschildkröte Tortuga durch alle Gefahren und überraschenden Wendungen ist sehr spannend erzählt. Alles ist aus der Sicht der Schildkröte gefilmt, so dass man die ganze Zeit mitfiebert: Wird sie von der Krabbe gefangen? Überlebt sie das Zusammentreffen mit dem gewaltigen Containerschiff?

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© polyband

Diese Bilder wirken auf der großen Kinoleinwand sehr beeindruckend. Außerdem erfährt man auch einiges über die Tiere, denen die Schildkröte auf ihrer Reise begegnet.

Der von Hannelore Elner gesprochene Text ist aber leider oft kitschig. Das nervt bisweilen, aber die tollen Bilder wiegen das auf.

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